A. F. E. e.V

FE im therapeutischen Bereich

Die Bedeutung der Funktionellen Entspannung in der Therapie psychosomatischer und psychischer Erkrankungen beruht auf der positiven Beeinflussung des vegetativen Nervensystems über den Atemrhythmus, der Differenzierung der Selbstwahrnehmung über die Propriozeption und der verbalen Bearbeitung der körperlichen Selbsterfahrung. Die Funktionelle Entspannung verändert durch die positive Zuwendung zu sich das Körpererleben und die Selbstregulation und unterstützt darüber Heilungsprozesse.

Psychosomatische Körpersymptome sind im tiefenpsychologischen Verständnis Ausdruck unbewusster psychischer Konflikte, die sich negativ auf vegetative Funktionen auswirken. Der lebensgeschichtliche Hintergrund dazu wird erarbeitet, indem beim Patienten ein innerer Dialog mit dem Körper angeregt und therapeutisch begleitet wird. Eine Schlüsselrolle spielt dabei der Zugang zu Gefühlen über körperliche Empfindungen. Durch neue Erfahrungen im Rahmen der Therapie wird nicht nur das Körperbild modifiziert, sondern auch das Selbstgefühl. Ausgehend von den konkreten leiblichen Empfindungen fördert die Funktionelle Entspannung Abgrenzungs- und Autonomieprozesse und die Entwicklung abgegrenzter Selbst- und Objektrepräsentanzen.

Bei somatoformen Störungen nimmt man an, dass Körpersymptome, wie z.B. chronische Schmerzen, anstelle negativer Gefühle wahrgenommen werden. Über körpersprachliche Mitteilungen kann ein Zugang zu den damit verbundenen Gefühlen gefunden werden. Gerade bei solchen psychischen Erkrankungen, die ihren Ursprung in den ersten Lebensmonaten haben und die mit verbalen Therapieverfahren alleine nur schwer zu behandeln sind, kann ein körperorientierter Zugang erfolgreich sein. Über den Körper können Erinnerungen wiederbelebt werden, die sich in Körperhaltung, Bewegungsmustern, Körpersignalen und Körperimpulsen äußern; auf diese Weise wird Unbewusstes einer bewussten Bearbeitung zugänglich. Im Körpergedächtnis gespeichertes Wissen ermöglicht nicht nur einen Zugang zu Störungen, sondern auch zu Ressourcen. Dies ist etwa bei der Behandlung von Trauma-Folgestörungen wichtig; die Arbeit mit körperlicher Stabilisierung und Selbstregulation ist hier besonders hilfreich. Auch bei anderen psychischen Erkrankungen, wie Angststörungen und Depressionen, kann ein körperorientierter Therapieansatz, beispielsweise in Form haltgebender und aktivierender Angebote von Nutzen sein.

In der therapeutischen Beziehung eröffnen sich in der Arbeit mit Funktioneller Entspannung neue Möglichkeiten. Dazu gehört eine aktive therapeutische Haltung und ein unmittelbarer Kontakt, der auch Berührungen („therapeutisches Anfassen“) einschließen kann. Von besonderer Bedeutung ist die fortwährende körperliche Selbstwahrnehmung des Therapeuten. Als körperliche Gegenübertragung dient sie der diagnostischen Einschätzung, dem Wechsel zwischen psychischer und körperlicher Ebene und der eigenen Selbstregulation. Eine Haltung von achtsamer Selbstfürsorge ist für Patienten wie Therapeuten hilfreich.

Für die Therapie mit Kindern und Jugendlichen gibt es in der körperzentrierten Arbeit mit Funktioneller Entspannung einige Besonderheiten; die Methode verfügt über ein großes Repertoire an kindlichen Sprachbildern und spielerischen Bewegungs- und Interaktions-Angeboten. Körperorientierte Angebote können auch in der Arbeit mit den Bezugspersonen wichtig werden. Zum Beispiel kann die haltgebende Funktion der Eltern im Kontakt zu Kleinkindern gut über den Körper erarbeitet werden, etwa über ein Einschlaf- Ritual. In der Kindertherapie stehen spielerische non-verbale bindungs- und entwicklungsfördernde Angebote im Vordergrund, im Jugendalter sind es eher Angebote körperlich vermittelter Abgrenzung und Ablösung.