
Nachruf von Verena Lauffer
Hans Eberhard Eberspächer war ein begnadeter Therapeut und FE – Lehrbeauftragter, dem wir in der A.F.E. viel verdanken. Er verstarb zweiundachtzig jährig am 12. 7. 2025 zuhause, liebevoll fürsorgend begleitet von einer besonders nahestehenden Freundin und einem Freund.
Er kam 1970 zur FE und setzte sich von Anfang an intensiv ein für die systematische Erfassung der Wirkweise der FE, für eine Gründung der Arbeitsgemeinschaft, sowie für die Weiterentwicklung der Methode zur Körperpsychotherapie. Er baute eine fundierte Weiterbildung auf, die alle Berufsgruppen gleichwertig berücksichtigte und war sehr präsent im Präsidium sowie jahrelang im Weiterbildungsausschuß. Für seine vielfältigen Leistungen für die FE wurde ihm die Ehrenmitgliedschaft übertragen.
Weiterbildungsausschußsitzungen mit ihm waren eine spannende Erfahrung. Wir konnten mit ihm intensiv die methodischen Besonderheiten der FE diskutieren, um die spürbar stimmige Umsetzung in der Weiterbildung zu finden. Fragen und Widersprüche konnte er als bereichernden Beitrag würdigen, gerade wenn wir für Störungen nach Lösungen suchten. Und wir reisten nach der Sitzung zuversichtlich ab trotz Stößen von Arbeitsaufträgen.
In seiner besonderen Art mit FE zu arbeiten schöpfte er aus einem reichen Erfahrungsschatz.
Er hatte zunächst den Beruf des Ergotherapeuten erlernt, wobei ihm wichtig war, Hilfe zur Selbsthilfe zu geben und eigene Ressourcen zu nutzen im Umgang mit Krankheit und Behinderung. Dann studierte er Psychologie in Erlangen. Dort lernte er auch seine Frau Barbara kennen. Der verlässliche, gegenseitige Austausch war für beide sehr bereichernd für die Integration verschiedener Therapiemethoden, sowie später für den Einsatz in der FE und A.F.E. Ab 1971 arbeitete er als klinischer Psychologe und sammelte Erfahrungen in Beratungsstellen, Institutionen für körperbehinderte Kinder und Jugendliche, in der Orthopädie, Psychiatrie, Psychosomatischen Klinik, in der Arbeit mit Hirnverletzten, in eigener Praxis, in Supervision und Lehrtätigkeit, in Einzel- und Gruppenarbeit.
Er integrierte Erfahrungen aus mehreren Ausbildungen – zunächst Gesprächstherapie, Gestalttherapie, Themenzentrierte Interaktion, ab den 70er Jahren die FE (LB), ab Anfang der 80er Jahre systemische Psychotherapie unter anderem nach Bert Hellinger und später energetische Arbeit nach Fred Gallo.
Mit mehreren Weiterbildungen vertiefte er seine therapeutischen Sichtweisen und sein Handwerkszeug – Aktive Imagination, Hypnotherapie, Arbeit mit Metaphern, NLP, Teilearbeit.
Ich begegnete ihm das erste Mal 1982 auf einer Tagung in Altdorf, die er leitete. Da mir meine Lehrbeauftragte Marianne Fuchs vermittelte, ich brauche noch eine/n zweite/n LB entschied ich mich für Eberhard. Als kleine vierer Gruppe fuhren wir über Jahre etwa alle vier Wochen zu einem Tag nach Esslingen, um bei ihm FE zu lernen. Mit erstaunlicher Leichtigkeit und zutiefst liebevoll konnte er sich auf jede von uns ganz individuell in der Gruppe einstellen, auf Augenhöhe uns in verschiedensten Fragestellungen und Nöten begleiten. Dabei ging er ganz vom gegenwärtig Spürbaren aus, folgte hoch aufmerksam den sich einstellenden Veränderungen, beachtete minimalste Zeichen des leiblichen Unbewußten und war bereit, das „Regelwerk“ zugunsten kreativer einmaliger Lösungen zu erweitern. So stellten sich bei mir bei einem Termin früh verlassene, einverleibte Erfahrungen aus der Zeit vor der Zahnbildung ein. Verwundert fühlte ich meinen zahnlosen Mund und spürte auf meinem Kopf die Babyhaare. Er begleitete diesen frühverletzten Anteil in mir sehr aufmerksam und einfühlsam mit FE, als noch niemand von innerer Kindarbeit sprach. Er ermöglichte uns Mut zum Eigenen und Ungewöhnlichen, scheinbare Schwäche als Stärke zu erkennen, Freude und Wohlgefühl als Orientierungshilfe zu nutzen.
Bei aller Kreativität hatte er einen Stil, den man als minimalistisch bezeichnen könnte, passgenau, ohne Schnörkel, bezogen auf das Wesentliche, an der Wirkung und am sich ausbreitenden Wohlgefühl orientiert.
Zusammen mit seiner Frau bot er zu ihm wesentlich erscheinenden FE – Themen Weiterbildungsgruppen an, die von vielen sehr geschätzt wurden, z.B. „Die Sprache in der FE“, „FE und Systemik“, … .
Ebenso schuf er mehrere „Arbeitspapiere“, Veröffentlichungen für Weiterbildungskandidat:innen. Er schrieb zu Beginn der 80er Jahre ein „Änder-Buch“ zu unterschiedlichen Themen, die ihn beschäftigten, wobei man je nach Laune des Lesers die einzelnen Blätter zusammenstellen konnte. Themen seiner FE – Literatur waren z.B. „Der Ebenenwechsel“, in dem er beschrieb „Die sogenannten „Spielregeln“ ermöglichen ein zielorientiertes, individuelles und situationsspezifisches Zusammenwirken von Psyche und Soma.“ Und „In der FE orientiert man sich an der Wirkung des jeweiligen Tuns.“
In weiteren wunderbaren Veröffentlichungen stellt er sein FE Verständnis in klaren Worten dar, mit vielen Fallvignetten demonstriert, z.B. „Orientierung an der lösenden Wirkung des Tuns in der FE“, „Die Beziehung zur Unterlage in der FE als ein Medium des therapeutischen Wandels im Realitätsbezug“. Dazu gibt es eine ganze Serie von wertvollen Arbeitspapieren unter dem Titel „Aus der Praxis für die Praxis“: z.B. „Umgang mit Beschwerden“, „Umgang mit Impulsen“, „Umgang mit Emotionen“, „es kann ja mal was schief gehen …“, und viele mehr.
Sein kritisch analysierender und wertschätzender Blick auf die FE trug ihm auch viele Auseinandersetzungen ein, z.B. mit Marianne Fuchs über die Spielregeln, speziell der Umgang mit der Ein- und Ausatmung. Für mich beeindruckend war, dass ich während meiner Weiterbildung zum FE Zertifikat bei Marianne Fuchs und Eberhard Eberspächer von keinem etwas Entwertendes über den anderen erfuhr.
Als Barbara und Eberhard Eberspächer in Rente gingen, was sie statt Ruhestand als `Freistand` bezeichneten, gründeten sie am Chiemsee ein Institut für systemische Salutogenese, mit der Zielsetzung: „Wir verhelfen den Menschen zu einer systemischen und salutogenetischen Sichtweise auf sich und ihr Leben, mit der sie mehr Einfluss auf ihre Selbstregulation haben und ihr Leben steuern können in Richtung Gesundheit, Wohlbefinden und persönliche Lebensqualität.“ Auf diese Weise war Eberhard Eberspächer auch noch nach dem Tod von Barbara 2022 tätig.
Ich bin Hans Eberhard Eberspächer sehr dankbar für seine Feinfühligkeit, Klarheit und zutiefst liebevolle Art, mit der er für Viele von uns da war. Neben der Trauer bleibt die Freude, ihm begegnet zu sein, dass ich in seiner FE – Begleitung mich entwickeln konnte und das Wertvolle weiter nutzen kann.